Agiles Lernen als Wettbewerbsfaktor

Immer wieder entzündet sich die Diskussion darüber, was wertvoller ist: Die Begegnung vor Ort in einem Raum oder die Begegnung im virtuellen Raum.

Ich bin der Meinung, dass diese Diskussion vom falschen Blickpunkt her geführt wird. Denn bei diesen Diskussionen drängt sich automatisch die Frage nach dem physisches Medium in den Vordergrund. Die m.E. viel wichtigere Frage, wie die jeweiligen Begegnungen gestaltet werden sollten, damit sie nachhaltig wirksam sind, rutscht dadurch leider in den Hintergrund.

Deshalb bin ich der Meinug, dass wir vom falschen Blickwinkel aus diskutieren. Vielmehr sollte die Frage „Wie gestalten wir die Begegnung?“ im Vordergrund stehen. Dann können wir über wirklich wichtige Unterschiede diskutieren. Denn natürlich macht es einen Unterschied, ob wir uns im virtuellen Raum oder physisch vor Ort begegnen.

Hier möchte ich ein Beispiel dazu geben:

Kürzlich haben wir uns wieder zu einer virtuellen Session getroffen. Menschen, die sich zum Großteil nicht kannten. Der Sessiongeber hatte die Frage im Gepäck, wie er Lernen in der Organisation als Wettbewerbsvorteil besser nutzen könne. Ebenso hat er vorgeschlagen, sich dem Thema über die Kopfstandmethode, bzw. über Brainstorming paradox zu nähern. Das war die Ausgangssituation.

Schon bei der virtuellen Kennenlernrunde, die dazu dient, eine gewisse Vertrautheit aufzubauen, gab es die ersten Impulse. Somit war recht schnell und spielerisch die Basis geschaffen, offen, kreativ und ungehemmt an dem Kernthema arbeiten zu können.

So „aufgewärmt“ starteten wir in die Arbeitsrunde mit der Kopfstandmethode. Die Umkehrung der Kernfrage in ihr negatives Gegenteil sorgte ganz automatisch dafür, dass wir ein tieferes Verständnis für die Ausgangsproblematik entwickelten, denn um eine solche Frage umkehren zu können, muss man sich automatisch mit der Ausgangssituation beschäftigen.

So richtig in Fahrt kamen die Teilnehmer beim Formulieren der Negativideen. Energetisch haben wir das Ganze mit dem 5 Minuten-Turbo noch richtig schön verdichten können. Nach der ersten Turborunde stellte jeder seine Ideen vor. Spannend war hier zu sehen, wie unterschiedlich die Blickwinkel waren und wie genau diese Unterschiedlichkeit zu einem wertvollen großen Ganzen zusammen kommen.

Extrem wertvolle Impulse kamen dann zustande, als wir nach einem weiteren 5-Minuten-Turbo die Ideen ins Positive umkehrten. Dieses Mal konnte jeder auch auf dem Blatt von den anderen Teilnehmern schreiben.

In der Diskussion kamen noch weitere Impulse zustande. Phänomenal zu erleben war, wie die Ideen nicht nur entsanden, sondern von den anderen Teilnehmern noch weiter entwickelt bzw. angereichert wurden. Hier hatte ich das Gefühl einer „magischen Dichte“, die da gerade entstanden war.

Mir hat die ganze Veranstaltung wieder einmal gezeigt, mit welch hoher energetischer Dichte virtuelle Zusammenarbeit stattfinden kann, wenn man die passende Gestaltung dafür hat.

Somit stellt sich für mich auch nicht die Frage nach virtuell oder vor Ort, sondern eher, wie ich was gestalten kann.

Ebenso sehe ich in der virtuellen Zusammenarbeit (sei es Coaching, Workshops oder Projektarbeit) einige Vorteile, die man so vor Ort nicht hat. Sei es die eigene, vertraute Umgebung, in der sich die Teilnehmer befinden oder die Disziplinierung beim Zuhören (das ist meines Erachtens ein riesen Vorteil: es können keine Nebengespräche stattfinden und somit steigt automatisch die Konzentration). Dadurch, dass man recht schnell, von überall her und ohne größeren räumichen und zeitlichen Aufwand zusammen kommen kann, ermöglichen es virtuelle Zusammenkünfte, kleine, alltagsbegleitende Maßnahmen anzubieten und somit den Lerneffekt zu erhöhen.

Was mir fehlt im virtuellen Raum? Eigentlich nur die Dreidimensionalität, also im und mit dem Raum arbeiten zu können. Ansonsten muss ich lange überlegen, bis mir noch was einfällt. 

Beitrag von Karin Ockert Höfler 

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